Praxisforschung

ZEFIE versteht sich als lernende und forschende Einrichtung, denn nur so können wir unsere Angebote kontinuierlich weiterentwickeln, an aktuelle Bedarfe anpassen und auf neue Entwicklungen und Herausforderungen schnell reagieren. Mit unserer praxisbezogenen Forschung verfolgen wir vor allem zwei Ziele:

Zum einen möchten wir auf einer soliden empirischen Basis unsere Arbeit reflektieren und notwendige Veränderungs- und Verbesserungsprozesse einleiten. Dazu dienen neben kleinen empirischen Studien vor allem die Erfassung vielfältiger Informationen in einer Datenbank und deren regelmäßiger Auswertung, die allgemeine Entwicklungen herausstellt, aber auch auf spezifische Fragestellungen fokussiert.

Zum anderen möchten wir unsere Erfahrungen und empirischen Ergebnisse  weitergeben und in einen Austausch mit der Fachöffentlichkeit und anderen Interessierten treten. Dazu dienen Publikationen in Fachzeitschriften sowie die aktive Beteiligung an Fachveranstaltungen, Kongressen und Tagungen.

Die Themen unserer Praxisforschung orientieren sich an aktuellen Fragen aus der Praxis, dabei standen in den vergangenen Jahren vor allem die Situation von Geflüchteten und die Auswirkungen der starken Zuwanderung auf die Jugendhilfe im Mittelpunkt.

Foto: Renate Barth

Dr. Renate Breithecker, Dipl.-Soziologin

seit 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei ZEFIE, Mitglied im Netzwerk Flüchtlingsforschung

Bereits seit vielen Jahren führt sie – häufig gemeinsam mit Oliver Freesemann – Praxisforschungsprojekte, Evaluationen und empirische Studien im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe durch, Schwerpunkte bilden Straßenkinder und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Elternarbeit mit abwesenden Eltern

Wie reagiert die (stationäre) Jugendhilfe, wenn die Eltern der aufgenommenen Kinder und Jugendlichen nicht in Deutschland leben, kein direkter Kontakt möglich ist und die Rückführung der Betreuten in die Familie nicht Ziel sein kann? Diese Situation trifft auf die überwiegende Mehrheit der in den vergangenen drei Jahren aufgenommenen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zu. Gleichzeitig stehen die UMF selbst häufig in einem kontinuierlichen Kontakt zu ihrer Familie, die vermittelt über digitale Medien am Leben ihrer Kinder Anteil hat und einen nachhaltigen Einfluss ausüben kann. Was bedeutet das für die Jugendhilfe, wie können BetreuerInnen damit umgehen und welche Zugangsmöglichkeiten gibt es? Mit diesen Fragen setzen wir uns aktuell auseinander und haben dazu einen ersten Text veröffentlicht:

Renate Breithecker: Elternarbeit mit abwesenden Eltern, Das Jugendamt, S. 304-308

Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe: Zweifelnde Helden

Ohne das große Engagement Ehrenamtlicher wäre die „Flüchtlingskrise“ der vergangenen Jahre nicht zu bewältigen gewesen. Doch nun kommen den Freiwilligen Zweifel, ihr Engagement ist rückläufig – viele erreichen die Grenze ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Aber auch die Grundsätze und Ziele der Arbeit mit Geflüchteten stehen in Frage. Dieser Thematik widmen sich zwei aktuelle Beiträge in Fachzeitschriften:

Renate Breithecker: Zweifelnde Helden, in: Blätter der Wohlfahrtspflege, 2/2018, S. 108-110

High-Speed-Jugendhilfe

Wie reagiert die Jugendhilfe auf die „Flüchtlingskrise“ und den massiven Anstieg an unbegleiteten Minderjährigen? Und vor allem: Wie gehen freie Träger mit der Situation um? Wir reflektieren die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre jeweils aus verschiedenen Perspektiven – aus der der Mitarbeitenden, der jungen Geflüchteten und der Organisation.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und ihre Gastfamilien

In den vergangenen Jahren erreichte eine große Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge Deutschland, dies stellte die Jugendhilfe vor große Herausforderungen, kreative Lösungen waren gefragt. Gesucht wurden verstärkt Familien, die bereit waren junge Flüchtlinge bei sich aufzunehmen. Und tatsächlich konnten vor allem auf dem Höhepunkt der „Flüchtlingskrise“ sogenannte Gastfamilien für diese Aufgabe gewonnen werden. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass sich die aufnehmenden Familien, aber auch die jungen Flüchtlinge von klassischen Pflegefamilien und deren Pflegekindern unterscheiden. Aber ist das tatsächlich der Fall? Und worin liegen diese Unterschiede? Worin bestehen die besonderen Chancen, welche Risiken gehen Gasteltern und junge Flüchtlinge ein? Welche Erwartungen gibt es, welchen Herausforderungen sehen sich die Beteiligten gegenüber? Und welche Unterstützung brauchen Gasteltern und ihre Gastkinder von professioneller Seite? In einer explorativen Studie sind wir diesen Fragen nachgegangen. Diese kann hier kostenlos heruntergeladen werden.